Design of an Alternative Identity Proofing Approach for Digital Onboarding to ID Austria
Abstract
Digitale Identitätssysteme bilden eine zentrale Grundlage moderner Verwaltungs- und E-Government-Prozesse. Sie ermöglichen die sichere Interaktion zwischen Bürger:innen, staatlichen Stellen und privaten Diensten. Ein besonders kritischer Schritt ist dabei die Identitätsprüfung im Rahmen des Onboardings, da hier die Verbindung zwischen einer realen Person und einer digitalen Identität hergestellt wird. Bestehende Onboarding-Verfahren, etwa persönliche Identifikation, VideoIdent, biometrische Verfahren oder dokumentenbasierte Prüfungen, stellen dafür etablierte Mechanismen bereit, erfordern jedoch häufig die Verarbeitung sensibler personenbezogener Daten und stützen sich stark auf organisatorische Vertrauensstrukturen.Die vorliegende Arbeit untersucht, ob ein deterministischer, registerbasierter und kryptographisch unterstützter Matching-Ansatz auf den Onboarding-Prozess von ID Austria angewendet werden kann. Der Fokus liegt dabei nicht auf der Entwicklung eines neuen kryptographischen Bausteins oder eines vollständig neuen Identitätssystems, sondern auf der konzeptionellen Anwendung und prototypischen Umsetzung von Deterministic Privacy-Preserving Identity Matching als Onboarding-Modell. Dieser Ansatz wird im Rahmen der Arbeit als DPPIM-OM bezeichnet.Die Arbeit folgt einem konstruktiv-analytischen Vorgehen. Zunächst werden die technischen und konzeptionellen Grundlagen digitaler Identität, Identitätsprüfung, privacy-preserving Matching, OPRF/VOPRF-Mechanismen und Zero-Knowledge-Nachweisen analysiert. Darauf aufbauend wird ein Onboarding-Modell beschrieben, das deterministischen Full-Match, kanonisierte Attributrepräsentation, servergebundene kryptographische Auswertung, registerbasierten Vergleich und registergebundene Nachweisführung kombiniert. Anschließend wird ein Prototyp umgesetzt, um die technische Realisierbarkeit des Ansatzes unter kontrollierten Bedingungen zu demonstrieren.Das vorgeschlagene Onboarding-Modell wird dem aktuellen ID-Austria-Onboarding sowie VideoIdent-, biometrischen und dokumentenbasierten Verfahren gegenübergestellt. Die Evaluierung erfolgt entlang zentraler Dimensionen wie Datenexposition, Informationsleckage, Sicherheit, Missbrauchsresistenz, Vertrauensmodell, Verifizierbarkeit, Determinismus, Fehleranfälligkeit, Anforderungen an Datenqualität, Prozesskomplexität, Performance sowie Kompatibilität mit dem europäischen regulatorischen Rahmen.Die Ergebnisse zeigen, dass DPPIM-OM insbesondere in den Bereichen Datenminimierung, Informationskontrolle und Verifizierbarkeit deutliche strukturelle Vorteile aufweist. Gleichzeitig bringt der Ansatz spezifische Anforderungen und Einschränkungen mit sich, insbesondere hinsichtlich Datenkonsistenz, technischer Umsetzungskomplexität und fehlender direkter Personenbindung. Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass der Ansatz eine vielversprechende Möglichkeit zur Weiterentwicklung digitaler Onboarding-Prozesse darstellt, insbesondere in hybriden Modellen, die klassische Mechanismen zur Personenbindung mit einem deterministischen und kryptographisch überprüfbaren Attributabgleich kombinieren.
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